CHECKLISTEN:
VORBEREITET AUF DAS UNERWARTETE.

Es sind die kleinen Dinge, die ein Geschäft zunichte machen.

Checklisten sind existenziell, in der Fliegerei, wie im Business. Sie stellen sicher, dass wir bei immer wiederkehrenden Prozessen, den sogenannten „Standard Operating Procedures“ oder kurz „SOPs“, keinen notwendigen Schritt auslassen. Ob in der Vorbereitung auf eine Entscheidung, eine wichtige Präsentation, ein Meeting oder auf ein entscheidendes Verkaufsgespräch. Zudem entlasten sie uns, vor allem in kritischen Situationen, damit wir uns auf die wesentlichen Dinge konzentrieren können.

„Erwarten Sie immer das Unerwartete“, planen und bereiten Sie sich auf diese Szenarien vor. Entwickeln Sie und nutzen Sie Checklisten, damit Sie erst gar nicht in Notfall-Situationen geraten, denn es sind oftmals die kleinen Dinge, die einen Piloten töten oder ein Geschäft zunichte machen.

Wo ist der Fallschirm?

Auf dem Flugdeck eines Flugzeugträgers, irgendwo in den Weiten des Pazifik. Ein Kampfjet ist kurz vor dem Start. Das Bugfahrwerk ist bereits mit dem Katapultschlitten verbunden, die letzten Checks sind durchgeführt. Der „Shooter“ im gelben Shirt vollführt „seinen Tanz“ und gibt das Zeichen zum Start. Das Katapult beschleunigt den Jet von 0 auf 260 Kilometer pro Stunde innerhalb von 70 Metern. Der Kampfjet rast über das Flugdeck.

Aber anstatt das sich der Jet nun martialisch in die Lüfte erhebt, sackt er wie eine „lahme Ente“ direkt hinter dem Flugdeck ab und gerät außer Sicht. Jeder an Deck hält den Atem an, der absolute GAU! Kurz bevor der Jet jedoch ins Wasser stürzt, schießt sich der Pilot mit seinem Schleudersitz aus seinem Jet. Das Kabinendach wird im Bruchteil einer Sekunde abgesprengt und der Pilot auf dem Schleudersitz in den Himmel geschossen – die einzige Chance, die ein Pilot in einer solchen Situation hat. Erstes Aufatmen auf Deck! Jetzt heißt es nur noch auf die Öffnung des Fallschirms zu warten.

Der Pilot trennt sich vom Schleudersitz, so wie es sein sollte. Alle Augenpaare auf dem Flugdeck sind nun gespannt auf den kleinen Punkt des Piloten gerichtet, der in einem hohen Bogen immer schneller der Wasseroberfläche entgegen rast. Doch wo bleibt der Fallschirm, der sich über dem Piloten schon längst hätte öffnen sollen? Fehlanzeige! Der Pilot schlägt wie ein Stein in einer kleinen Fontäne auf die betonharte Wasseroberfläche auf.

Es sind die kleinen Dinge, die dich umbringen!

Geschirr eines Kampfpiloten, das sog. „Harness“ - hier „MA-2 Torso Harness, USN all ejection seat aircraft

Geschirr eines Kampfpiloten, das sog. „Harness“ – hier „MA-2 Torso Harness, USN all ejection seat aircraft”. Copyright: www.flighthelmet.com

Was war geschehen? Zunächst war das Gewicht des Kampfjets für den Katapultstart und die notwendige Beschleunigung falsch berechnet worden. Die Zugkraft des Katapults war zu gering, um den Jet auf seine notwendige Startgeschwindigkeit zu katapultieren. Der erste Fehler! So weit so schlecht, aber was war mit dem Piloten?

Dazu muss man wissen, dass Kampfpiloten in modernen Jets ihren Fallschirm nicht mehr „auf dem Rücken“ tragen. Der Fallschirm befindet sich im Schleudersitz. Der Pilot ist nur noch mit Verschlüssen an seinem Geschirr, den sogenannten „Koch-Fittings“, mit dem Schleudersitz und damit mit dem Fallschirm verbunden. Die Koch-Fittings sind so konstruiert, dass sie sich leicht – vor allem im Notfall – mit 2 Fingern öffnen lassen. Und das war der Grund, warum sich der Fallschirm nicht öffnete: Der Pilot hatte schlicht vergessen sich mit den Koch-Fittings seines Geschirrs mit dem Schleudersitz zu verbinden!

Koch-Fittings Gegenstücke. Copyright: http://www.f-16.net.

Koch-Fittings Gegenstücke. Copyright: http://www.f-16.net.

Der Pilot ist wahrscheinlich seine Checkliste flüchtig oder gar nicht durchgegangen – der zweite absolut unverzeihliche und tödliche Fehler. Selbst wenn man zum 1.000sten und ersten Mal mit seinem Jet startet, geht man die Checklisten durch. Checklisten nehmen das Denken ab, so dass man sich auf die wesentlichen Dinge konzentrieren kann. Sie stellen sicher, dass keine kritischen Schritte vergessen oder ausgelassen werden. Ein Fehler, den der Pilot mit seinem Leben bezahlt hat, denn: „Es sind oftmals die kleinen Dinge, die dich umbringen“.

Wo ist der Ersatzbeamer?

Schnitt! Ich sitze in einem großen Konferenzraum aus Stahl und Glas bei einem Software-Unternehmen mit 60 weiteren interessierten Kunden. Gespannt warten wir auf die Präsentation des Directors Product Development. Ich bin als Vice President von American Express auf der Suche nach einer neuen Software. Verschiedene Unternehmen sind angefragt worden. Bei diesem Unternehmen bekam ich kurz nach unserer Anfrage die Einladung zu einer Produktpräsentation. „Das trifft sich ja gut, in 14 Tagen stellen wir unser neues Release vor“, sagte mir der Product Development Director am Telefon, „da kommen Sie doch einfach zu unserer Vorstellung in einem angenehmen Rahmen.“

Das Frühstück als Stehimbiss mit „Networking“ sowie die obligatorische Unternehmenspräsentation durch den Geschäftsführer hatten wir schon hinter uns, nun ging es ans „Eingemachte“. Der Director war gerade bei seiner zweiten Folie, als das Bild auf der Leinwand erlosch, der Beamer oder die Birne hatten „ihr Leben ausgehaucht“. Stille im Raum!

Doch anstatt nun dem Techniker am Ende des Raums kurz zuzunicken und mit seiner Präsentation souverän fortzufahren, entbrannte ein Dialog: „Bitte schließen Sie den Ersatzbeamer an!“, „Wie? Sie haben keinen Ersatzbeamer?“, „Dann holen Sie blitzschnell einen zweiten Beamer“. Ja, der Director sprang sogar von der Bühne und versuchte verzweifelt den vermeintlich kaputten Beamer selbst wieder in Gang zu setzen. Im Publikum brach ein Gemurmel aus, es war einfach nur peinlich! Der Director tat mir schon leid. Nach einer gefühlten halben Stunde – der Ersatzbeamer war immer noch nicht da – schnappte sich der Director den Laptop vom Techniker auf dem die Präsentation lief und ging zurück auf die Bühne. Dort beendete er mehr vom Laptop ablesend, als frei seinen Vortrag. Er hatte nicht einmal einen Ausdruck als Backup zur Hand.

Wer macht den Deal?

Ein paar Wochen später! Die Entscheidung stand an, welche Software nun angeschafft werden sollte. Es waren noch zwei Anbieter im Rennen, darunter die besagte Software-Firma. Die beiden Angebote unterschieden sich nur in Nuancen voneinander. Was glauben Sie, wie ich mich entschieden habe? Nicht für die Firma bei der ich die „außergewöhnliche“ Produktpräsentation erleben durfte. Da blieb ein fader Nachgeschmack. Wenn schon eine so einfache Produktpräsentation komplett „in die Hose“ geht, wie sehen dann wohl die Prozesse, Back-up-Routinen und die Zuverlässigkeit der Software aus? Zugegeben, eine eher unbegründete und emotionale Entscheidung, aber bei vergleichbaren Angeboten hat das den Ausschlag gegeben: Menschen kaufen halt von Menschen! Deshalb: „Es sind oftmals die kleinen Dinge, die ein Geschäft zunichte machen“.

Ihre Checkliste:

  1. Gehen Sie niemals vom Normal-Fall aus. Streichen Sie „Normal“ aus Ihrem Wortschatz und erwarten Sie immer das Unerwartete: „Always expect the unexpected“.
  2. Stellen Sie sich immer die Frage: „Was kann schiefgehen?“ Selbst für eine so vermeintlich profane Situation wie eine Präsentation.
  3. Planen Sie für den „Worst Case“.
  4. Erstellen Sie Checklisten für Ihre Standard- und Notfallprozesse.
  5. … und gehen Sie Ihre Checklisten durch, auch wenn Sie manche Dinge schon 100 Mal durchgeführt haben.
  6. Denn es sind oftmals die kleinen Dinge, die einen umbringen oder ein Geschäft zunichte machen.

In diesem Sinne, überprüfen Sie immer Ihre „Koch-Fittings“ und bleiben Sie auf Kurs!